Deutsche Cauchois gehören zur Spitze

Wir sahen das französische Cauchois-Championat verbunden mit der Cauchois-Europaschau am 12./13.11.2016 in Le Mesnil sur Oger/Champagne

Das kleine Städtchen Le Mesnil sur Oger, im Herzen der Champagne gelegen und Heimat mehrerer Dutzend größerer und kleinerer Champagner-Häuser, war 2016 Gastgeber des französischen Cauchois-Championats verbunden mit der Cauchois-Europaschau. Und wie sollte es in diesem Falle anders sein? -die Schau fand statt in der Waren-Umschlagshalle der örtlichen Wein-und Champagner-Genossenschaft. Eine ausgezeichnete Lokation von großem Volumen, blitzsauber und mit lichter Deckenhöhe, was über alle Schautage beste Luftverhältnisse garantierte. Damit nicht genug: die gesamte Bewirtung erfolgte im schicken und großzügigen Gästehaus der Genossenschaft und wie das in Frankreich so üblich ist, wurde mittags und abends ein perfektes Menü serviert. Hut ab! Eine tolle Idee, diesen Austragungsort zu wählen. Verantwortlich war der regionale Verband um unseren Cauchoisfreund und zweiten Vizepräsidenten des französischen Cauchois-Club Serge Guelard. Der Mensch lebt aber nicht allein für die Tauben und so konnte insbesondere am Bewertungstag der größere Champagner-Ort Epernay mit den dortigen bekannten Champagner-Häusern besucht werden und auch der Samstag bot sich an -zumindest für ein paar Stunden zwischendurch- in Le Mesnil sur Oger das ein oder andere Champagner-Gläschen zu verkosten. Die deutsche Reisegruppe um den 1. Vorsitzenden Bertram Trinkerl genoss die Reise sehr. Mit ca. 280 Cauchois aus Deutschland hatte man auch trotz der aufwändigen weiten Reise „Flagge“ gezeigt. Erster Vorsitzender des Cauchois-Clubs Bertram Trinkerl und Zuchtwart Jürgen Schulz hatten neben ihrer Ausstellungsbeteiligung auch die Ehre, in das Preisrichterkollegium berufen zu sein. Nachdem die für das Wochenende vor Weihnachten im unterfränkischen Hofheim geplante Hauptsonderschau wegen der Vogelgrippe ausfallen musste, sollte sich dieser europäische Vergleich im Nachhinein auch mit Abstand als das Cauchois-Ereignis des Jahres -auch für die deutschen Züchter- herausstellen. Zur eigenen Standortbestimmung ist diese Schau ohnehin unerläßlich. Wer sich mit der französischen Nationalrasse beschäftigt, sollte sich auch auf internationalem Niveau orientieren. Dabei sage ich bewusst internationales und nicht ausschließlich französisches Niveau, denn nicht immer sind die französischen Tiere vorn. Aber dazu gleich bei den einzelnen Farbenschlägen mehr. Einreihig bei idealen Lichtverhältnissen präsentierten sich die Cauchois von ihrer besten Seite und die bewertenden Preisrichter waren jeweils bei den einzelnen Farbenschlagsgruppen in Kollegien eingeteilt, die gemeinsam die Kollektion bemusterten, die Spitzentiere kürten und jeweils die ersten fünf Vertreter festlegten. Das funktionierte auch trotz der Sprachbarriere ganz gut und förderte die objektive Einstufung.

Der Standardfarbenschlag Blau-Bronzegeschuppt war mit 152 Tieren mit Bavette (Halbmondzeichnung auf dem Vorderhals) und 84 Vertretern ohne Bavette angetreten. Eine wahre Parade der Besten mit satter leuchtender Schildfarbe und bestens verteilter Schuppung. Erstklassige Typen. Schildfarbe und Schuppung stehen bei den französischen Züchtern und Richtern eindeutig im Vordergrund. Apropos Richter. Auch hier Hut ab vor den französischen Akteuren. Sie ließen sich nämlich nicht von den Nationalitätenkennzeichen der Ringe leiten. Ausstrahlung und Farben obsiegten und so fand sich unter den besten fünf bei den Tieren mit Bavette kein Vertreter des Mutterlandes. Alle fünf ersten errangen 97 Punkte mit der textlichen Wertung „excellent“. Den Champion stellte der belgische Cauchois-Club Präsident Ronny Arryn. An zweiter und fünfter Stelle der deutsche Zuchtwart Jürgen Schulz mit 1,1 und an dritter Stelle Albert Hinrichs mit einem Täuber. Ähnlich das Bild bei den Tieren ohne Bavette. Hier nur der Champion mit 97 Punkten, ein Täuber von Jürgen Schulz und an fünfter Stelle -ebenfalls ein Täuber- Jens Müller mit 96 Punkten.

102 Blaufahl-Sulfurgeschuppte mit Bavette und 70 ohne litten etwas darunter, dass mehrere französische Spitzenzuchten fehlten. Dennoch viele Tiere mit schönem Grünglanz im Hals und leuchtendem Goldgelb in der Schildfarbe. Aber kein einziges Tier mit 97 Punkten. Die amtierenden Richter erklärten das mit nicht ausreichenden Farbreserven in den Innenseiten der Schwingen und noch zu viel Schwarz in den Flügeldeckfedern erster und zweiter Ordnung! Ja, die Betrachtungen bei den Cauchois sind gerade in Frankreich sehr scharf und sehr stark auf die Schildfarben ausgerichtet. Auch hier waren deutsche Züchter gut vertreten. Bei denen mit Bavette konnte Helmut Trinkerl mit einem Täuber den zweiten Rang belegen und Volker Kamin mit einer Täubin den dritten Rang. Ohne Bavette stellte Helmut Trinkerl mit einer Täubin den Champion (jeweils 96 Punkte).

In gewohnter Stärke sowohl in Zahl wie in Qualität präsentierten sich die Blau-Rosageschuppten. 65 mit Bavette und 124 ohne Bavette stellten sich den Juroren. Nur sehr homogene helle Schildfarbe mit feinstem Schuppungsbild führt in die Spitze. Oft ist gerade die Schildfarbe nicht ganz einheitlich, die Bauchfarbe meliert oder Schwingen- und Schwanzgefieder mit Schilf durchzogen. Albert Hinrichs stellte mit 97 Punkten auf Täuber den Champion mit Bavette und platzierte sich mit einer Täubin mit 96 Punkten noch an Rang fünf.

Überraschend groß war die Gruppe der Blau-Weißgeschuppten. Ihre Beliebtheit steigt und damit erfreulicher Weise auch ihre Qualität. 29 zeigten Bavette, die hier wie auch bei den Blau-Rosageschuppten immer noch eine besondere züchterische Schwierigkeit darstellt, 85 Tiere waren ohne Bavette. Kopf- , Hals- und Bauchfarben sind jetzt etwas heller und reiner geworden und die besten zeigten mittlerweile sehr schön verteiltes Schuppungsbild. Die Championtitel gingen mit Bavette nach Frankreich und ohne Bavette nach Italien. Auch hier konnten deutsche Züchter unter die besten fünf vordringen. Ohne Bavette rangierte Bertram Trinkerl mit einem Täuber (96 Punkte) auf Rang drei und Albert Hinrichs mit einem Täuber (96 Punkte) auf Rang vier.

Unter den 41 Blaufahl-Weißgeschuppten und allen weiteren folgenden Farbenschlägen wurde bei der Abstufung nicht mehr in Vertreter mit und ohne Bavette differenziert. Sie haben sich in Farbreinheit und Schuppungsbild deutlich verbessert. Auf Täuber mit Bavette (96 Punkte) konnte Bertram Trinkerl den Champion stellen. An fünfter Stelle folgte er noch mit einem Täuber ebenfalls mit Bavette und 95 Punkten.

49 Blaue mit bronze Binden wussten mit reiner Farbe und feiner Bindenführung bei satter leuchtender Bindenfarbe zu gefallen. Der Champion ging mit 97 Punkten auf Täuber nach Frankreich. Georg Killinger konnte sich mit einem Täuber mit Bavette und 96 Punkten an fünfter Stelle platzieren.

Bei den 60 Blaufahlen mit sulfur Binden mit Bavette und 29 ohne Bavette gingen Championtitel nach Frankreich und Vizechampion nach Italien, beide mit 97 Punkten. Die deutschen Züchter Julia Altrichter, Roland Walter und Georg Killinger konnten mittlerweile den Anschluß gut herstellen. Absolutes Hauptrassemerkmal ist hier aber die Binde in Führung, Farbe und feinem Bindensaum und da gibt es zur Spitze noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Eine sehr positive Überraschung waren 36 Blaue mit rosa Binden mit Bavette und 57 ohne. Sehr sauber in den Farben mit prima Binden und die besseren auch mittlerweile ohne Schilf im Schwanz. Nina Altrichter nahm den Wettbewerb auf und zeigte feine Tiere, war gegen die sehr straffen Tiere mit feinsten Binden der französischen Spitzenzucht aber noch chancenlos. Der Champion ging mit 97 Punkten auf einen Täuber ohne Bavette nach Frankreich.

38 Blaue mit weißen Binden waren dagegen etwas schwach vertreten, konnten aber in Farben und Binden ebenfalls überzeugen. Sophie und Simon Trinkerl waren mit 3 x 96 Punkten gut vertreten und platzierten sich mit Täuber mit Bavette auf Rang zwei und Täuber ohne Bavette auf Rang drei. Der Championtitel ging mit 97 Punkten nach Frankreich.

35 Blaufahle mit weißen Binden zeigten sich ebenfalls gleichmäßig in Farben und Binden. Der Champion (1,0 ohne Bavette) ging mit 96 Punkten nach Frankreich. Bertram Trinkerl konnte sich mit sehr feiner Täubin mit Bavette mit 96 Punkten auf dem dritten Rang platzieren.

Unter den 37 Rotfahlen suchte man farblich reine Tiere vergeblich. Der Champion ging deshalb mit 95 Punkten auf Täuber ohne Bavette nach Frankreich.56 Gelbfahle überzeugten dagegen in Typ und leuchtender Farbe. Der Champion kam mit 97 Punkten aus Italien.

Unter den 30 einfarbig Roten und 40 einfarbig Gelben waren keine deutschen Aussteller. Die Championtitel gingen jeweils mit 96 Punkten nach Frankreich. Anders das Bild bei den 75 einfarbig Schwarzen mit vielen Tieren mit glänzendem Lackschwarz sowie feuerigen Augen bei zartem Augenrand. Karl-Heinz Lüdde kann in der europäischen Spitze mithalten und präsentierte einen Täuber mit 97 Punkten auf Rang zwei.

Von den deutschen Züchtern wurde hier Marko Schimmel noch nicht erwähnt. Er zeigte bei den Blauen mit bronze Binden zwei Tiere mit 96 Punkten und zwei mit 95 Punkten und errang damit den Zuchtpreis auf die besten 4 Tiere. Die gleiche Ehre wurde Jürgen Schulz im Standardfarbenschlag Blau-Bronzegeschuppt zuteil. Drei mal 97 Punkte und ein 96 gingen in die Wertung.

Die detaillierten vollständigen Siegerlisten können der Internetseite des französischen Cauchois-Club entnommen werden.

Die europäische Cauchois-Welt blickt jetzt auf die nächste Cauchois-Europaschau, die am 18./19. November 2017 im belgischen Lüttich stattfinden wird.

Jürgen Schulz