Internationale Vergleichsschau der Cauchois am 27./28. Oktober 2012 inSoultzmatt/Elsaß

Der Schautermin war in diesem Jahr recht früh und verhinderte so vielleicht die ein oder andere Tiermeldung. Ansonsten tat der Termin aber dem Vergleich kaum Abbruch, obwohl naturgemäß viele Tiere in Schwingen und Rückenabdeckung noch nicht fertig waren.

 

Den Anfang machten 6 mit Bavette und 17 ohne Bavette der seltenen Färbung Blaufahl mit weißen Binden. 97 Punkte mit Championtitel konnte Bertram Trinkerl verbuchen auf einen in Farbe und Binden sehr feinen Jungtäuber. Der Farbenschlag zeigt sich zunehmend verbessert in Typ und Form. Vielfach sind auch Schildfarbe und Binden sowie Schwingenfarbe sehr ausgeglichen. Die Augenfarbe ist bei diesem „blassen“ Farbenschlag natürlich immer schwierig. Auffällig auch die noch häufig lockere und gefächerte Schwanzfederlage. Die beste Leistung mit 4 Tieren erbrachte Marcel Bourin (F).

Es folgten Blaufahle mit Sulfurbinden. 32 mit Bavette und 16 ohne. Hier müssen wir neidlos anerkennen, dass wir in Deutschland den Anschluß bisher nicht herstellen konnten. Sehr feine Tiere kommen heute zunehmend aus Italien, die an den seit Jahren sehr gut aufgestellten französischen Zuchten vorbeigezogen sind. Sie zeigen sehr reine Schild- Bauch und Bindenfarben. Dabei feste Feder, fein in Kopf und Auge und dazu schöne gleichmäßige Bindenführung, getrennt und nicht zu breit mit feinem Bindensaum. Das derzeit Machbare präsentierte Albano Garbaccio (I) mit seiner Champion-Täubin mit 97 Punkten. Er zeigte auch die beste Leistung mit 4 Tieren. Roland Walter konnte zumindest bei den Täubern 1 x 95 und 1 x 96 Punkte verbuchen.

15 mit und 20 ohne Bavette bei den Blauen mit weißen Binden. 97 Punkte auf jungen Täuber von Antony Cosson (F) mit Championtitel und zugleich bestes Tier der Schau. Ein prima Tier mit sehr fester Feder, feinen Farben und sehr gewünschter Bindenführung. Bertram Trinkerl konnte bei den Täubinnen je 1 x 95 und 96 Punkte erreichen. Mit 4 Tieren siegte ebenfalls Antony Cosson.

Blaue mit Rosa Binden zeigten 7 mit und 14 ohne Bavette. Wie sahen sie schon in größeren Zahlen, was ihrer sehr attraktiven Ausstrahlung entspricht. Bei uns in Deutschland wurden sie nun auch mit der VDT-Schau in Nürnberg anerkannt. Hauptproblem neben der vielfach noch nicht ganz homogenen Bindenfarbe ist oft sehr viel Schilf im Schwanz. Champion wurde eine Täubin von Serge Guelard (F) mit prima Bindenführung und Farbe mit 96 Punkten. Beste Leistung mit 4 Tieren erbrachte Marcel Bourin (F).

Bei den Blauen mit Bronzebinden sah man 37 mit Bavette und 15 ohne. Darunter waren leider nur 2 Tiere aus Deutschland. Die besten Vertreter dieser Färbung kommen derzeit aus Belgien. Filip Vierstraete (B) erreichte 97 Punkte und Champion auf jungen Täuber und zeigte auch die beste Leistung mit 4 Tieren. Die Tiere bestechen durch saubere und leuchtende Bindenfarbe.

14 Gelbfahle mit Bavette und 14 ohne Bavette präsentierten sich ab 93 Punkte aufwärts. Darunter kein Tier aus Deutschland. Feinstes sauberes Farbspiel mit leuchtender Bindenfarbe zeigen die Tiere aus Italien. 97 Punkte und Champion gingen auf einen jungen Täuber von Albano Garbaccio (I), der auch die beste Leistung mit 4 Tieren erreichte.

9 mit und 14 ohne Bavette sah man bei den Rotfahlen. Die Farben schwanken nach wie vor zwischen zu starken Blauanteilen und zu hellen Köpfen, Schwanz und Schwingen, ohne erkennbaren aber gewünschten Farbabsatz im Unterrücken. Richtungsweisend deshalb der junge Täuber von Jean-Pierre Lutz (F) mit fester Feder bei sehr feiner silbergrauer Bauch- und Schildfarbe mit leuchtend roten Binden. 97 Punkte und Championtitel waren der Lohn. Jean-Pierre Lutz erreichte auch die beste Leistung mit 4 Tieren. Der vom Italienischen Cauchois-Club gestiftete wertvolle Sachpreis für die beste Leistung in der bindigen Zeichnungsvariante blieb in Italien bei Albano Garbaccio.

Die Blaufahl-Weißgeschuppten, bei uns nun auch seit der VDT-Schau Nürnberg anerkannt, haben sich sehr vorteilhaft entwickelt. Schön in Typ, Form und Feder zeigen sie mittlerweile auch ein reines Farbbild mit ansprechender Schuppung. Diese darf bei vielen Tieren allerdings noch klarer werden. Das Schönste aber, hier sind deutsche Zuchten wieder Vorn dabei. Bertram Trinkerl konnte unter 7 Tieren mit Bavette einen Jungtäuber mit 96 Punkten stellen und un ter den 25 ohne Bavette zeigte er das Champion-Tier, eine junge Täubin, mit 97 Punkten. Bertram Trinkerl hatte auch die beste Leistung mit 4 Tieren.

Groß war die Konkurrenz und hervorragend die durchschnittliche Qualität bei den Blaufahl-Sulfurgeschuppten. 47 mit Bavette und 46 ohne. Als Champion mit 97 Punkten konnte sich letztlich ein in allen Teilen sehr überzeugender Jungtäuber aus der deutschen Zucht Helmut Trinkerl durchsetzen. Daneben bei den Tieren mit Bavette nur eine weitere Täubin mit 96 Punkten. Schon nach der Vergleichsschau in Affligem (B) 2011 und jetzt wieder hatte ich den Eindruck, dass dieser Farbenschlag bei den internationalen Vergleichen sehr hart angefaßt wird. Bei den Tieren ohne Bavette gab es dann aber doch noch 7 Vertreter mit 96 Punkten. Romaric Puthod (F) konnte die beste Leistung mit 4 Tieren erreichen.

Bei uns in Deutschland haben wir keine Möglichkeit, Blau-Weißgeschuppte in größeren Zahlen zu sehen und solche Vergleiche anzustellen, wie bei der internationalen Konkurrenz. Hier waren es in diesem Jahr 22 Tiere mit Bavette und 69 ohne. Welch ein Bild! Mich stören häufig noch die flachen Köpfe und die untypische Nackenlinie vieler Tiere. Oft auch noch unzureichende Rückenabdeckung oder blättrige Schwanzfederlage. In Schildfarbe und Schuppung sind sie vielfach sehr ansprechend geworden. Den Championtitel mit 97 Punkten erreichte eine Jungtäubin von Mario Maggi (I), der auch die beste Leistung mit 4 Tieren verbuchte. Deutsche Tiere waren nur 5 dabei, die keine tragende Rolle übernehmen konnten.

Es folgte eine der Paradevorstellungen der ganzen letzten Jahre mit den Blau-Rosageschuppten. Hier 25 mit Bavette und 76 ohne. Wo viel Licht ist, da gibt es auch Schatten. So war die Abstufung trotz des tollen Aufmarsches an Tieren nicht allzu schwierig. Häufig unreine rußige Bauchfarbe, graumelierte Unterrücken oder viel Schilf im Schwanz führten zur Mängelliste. Bei den schon Besseren mußte oft mehr Rosa in der Schildfarbe oder die Schildfarbe homogener gewünscht werden. Übrig blieben aber noch eine ordentliche Zahl von Tieren mit 96 Punkten. Die Krönung war ein junger Täuber ohne Bavette von Philippe Van Dyck (B) mit wuchtiger Form, bester Grundfarbe, herrlichem Rosa und feiner Schuppung. 97 Punkte und Champion waren der Lohn. Die beste Leistung mit 4 Tieren erzielte Albert Hinrichs.

Es folgte die Königsklasse, der Standardfarbenschlag Blau-Bronzegeschuppt, hier vertreten mit 84 mit Bavette und 41 ohne Bavette. Sie zeigten alles, was diesen Farbenschlag so einzig macht. Feine Formentiere mit toller satter Schildfarbe und die schönsten auch mit feiner hellblauer Bauch- und Schuppungsgrundfarbe. Tolle Vorstellung! Bei den Täubern gleich etliche 96iger für verschiedene Züchter. Stark wieder die Auftritte von Ronny Arryn (B) und Mario Maggi (I). Das Spitzentier mit 97 Punkten und Champion stellte Jürgen Schulz. Bei den Täubinnen dominierte er mit sehr schönen und herausstechenden Tieren deutlicher mit allein 3 x 96 und 2 x 95 Punkten. Beste Leistung mit 4 Tieren damit auch bei Jürgen Schulz. Gleichzeitig ging auch der Pokal des Italienischen Cauchois-Club für die beste Leistung bei Geschuppten mit 1 x 97, 4 x 96 und 4 x 95 Punkten an Jürgen Schulz.

19 mit Bavette und 6 ohne waren die Meldezahl bei den einfarbig Gelben. Sie haben sich kontinuierlich verbessert. Zeigen jetzt auch schon sehr schönen Typ und Form und sind farblich sehr einheitlich. Eine Augenweide! Helmut Trinkerl erreichte auf Täubin 97 Punkte mit Championtitel und verzeichnete auch die beste Leistung mit 4 Tieren.

84 Schwarze mit Bavette und 5 ohne beeindruckten mit ihrer Mannschaftsstärke und die feineren auch mit ihrem satten Schwarz und den schönen weißen Abzeichen in Form von Unterrücken und Halbmond. Unverkennbar aber auch die vielen Tauben mit lockerer Flügelhaltung, groben hellen Augenrändern, unschön flachen Köpfen. Dennoch, die vielen hohen Noten zeugen von hochwertiger Durchschnittsqualität. Das Spitzentier, einen jungen Täuber, stellte Jean Martine (F) mit 97 Punkten und Champion. Besten Durchschnitt mit 4 Tieren erreichte Bernard Ledoyen (F).

Den Abschluß bildeten 22 Rote mit Bavette und 4 ohne. Auch hier wieder satt durchgefärbte Tiere mit einheitlichem Farbton bis in Schwanz- und Schwingenspitzen, mit schönen Bavetten und breitem Rückenweiß. Köpfe dürfen vielfach noch typischer werden mit vollerer gewölbter Stirn. Auf Jungtäuber gab es für Helmut Trinkerl 97 Punkte und den Championtitel. Helmut Trinkerl erreichte auch die beste Leistung mit 4 Tieren. Der Preis des Italienischen Cauchois-Club für die beste Leistung bei Einfarbigen ging ebenfalls an Helmut Trinkerl.

Resümierend darf festgestellt werden, die deutsche Delegation war nicht sehr groß, steuerte aber schöne Tiere bei und war erfolgreich. Auf jeden Fall hatten wir viel Freude an den schönen Tauben und ihrem internationalen Vergleich. Mindestens genauso gefallen haben uns die Mühen des ausrichtenden Vereins. Wir haben an allen Tagen in Soultzmatt/Elsaß prächtig gegessen und auch leckeren Wein und Crémant getrunken! Herzlichen Dank für diese Gastfreundschaft!

Jürgen Schulz